
Wir kennen uns schon einige Jahre und wir angeln auch genau so lange gemeinsam z.B. in Dänemark auf Lachsforellen, in Bayern auf Äschen und Bachforellen, in der Müritz auf Barsche. Aber 2008 haben wir beschlossen, nach Norwegen zu fahren. Zwei Jahre Vorlauf hört sich lange an, war zunächst auch so. Wir, das sind Hans-Georg, Herbert, Wolfgang und ich. Erfolgreich sollte es sein, also nicht zu weit im Süden. Wir wollten aber auch keine allzu lange Anreise haben. Ruhig sollte es sein, also kein Angelcamp mit grölenden Nachbarn oder „Angler“, die jeden Fisch filetieren und sich auch sonst nicht zu benehmen wissen. Jeder von uns hatte schon etwas Norwegenerfahrung, aber zu wenig, um auf „eigene Faust“ loszuziehen. Kurz gesagt, Hans-Georg fand die Lösung. Ein Anruf bei Wolfgang Kretzschmar aus Röbel, den wir von einigen Müritzaufenthalten gut kannten und die Sache war klar. Wolfgang organisiert die Reise und kümmert sich um den Transport des Gerätes. Gleichzeitig nimmt er Leihgerät mit, da wir bislang nur über leichtes Gerät verfügten.
Die Treffen und Planungen waren immer voller Vorfreude und wir hatten daran viel Spaß. So sollte es nun wirklich aussehen: Wir packen unser Gerät und schaffen es nach Röbel. Dort wird eingekauft und alles bei Wolfgang K. gelagert. Wir selbst nehmen nur das Nötigste mit und fliegen von Frankfurt nach Oslo und von dort nach Bodo. Dort holt uns Wolfgang mit seinem Transporter und einem Anhänger ab und wir fahren noch 3 Stunden Richtung Norden, um dann in Straumfjorden unseren Angelurlaub zu verbringen.
Am 11. August war es endlich so weit. Wolfgang war schon zwei Tage unterwegs und wir konnten unseren Flieger besteigen. Das schlechte Wetter in Frankfurt war uns egal, auch der Regen in Oslo. Der Landeanflug auf Bodo hatte was ganz besonderes: Berge, Gletscher, strahlender Sonnenschein und grün schimmerndes Wasser.
Wolfgang K. war schon am Flughafen und er hatte Karli, seinen langjährigen Bekannten, als Unterstützer und Beifahrer mitgebracht. Schnell unser Gepäck verstaut, einige Lebensmittel gekauft und los gings Richtung Norden.
In Straumfjorden angekommen hieß es auspacken und einräumen, den Fjord anschauen und schon mal alles für den ersten Angeltag vorbereiten.
Strahlender Sonnenschein und zwei gute Boote (Wolfgang K. hat da noch ordentlich handeln müssen) erwarteten uns.
Nur 5 Minuten Fahrt bis zur ersten Angelstelle – und bis zum ersten Fisch. Traumhaftes Wetter, kurze Wege und schöne Fische. Nicht die ganz großen (noch nicht!) aber es war immer was los. Herbert machte den Anfang.
Dann war Ebbe und wir fuhren zurück. Überhaupt haben wir unseren Rhythmus ganz auf die Gezeiten eingestellt. Dank kurzer Wege kein Problem! Fische versorgen, duschen, essen, schlafen und schon gings wieder raus aufs Wasser. Sehr kurzweilig! Dorsche von 18kg und 19kg, Lumb und Leng landeten im Boot. Auch Köhler, jedoch nur die wenigsten in einer akzeptablen Größe. Die meisten durften wieder schwimmen gehen. HG hat den Vogel abgeschossen und einen Heilbutt gefangen. Kein Riese, aber gut maßig. Ein viel größerer Heilbutt, den wir auf ca. 40kg schätzten, verfolgte den Pilker von Wolfgang K. bis an die Wasseroberfläche. Leider hat er den Drilling nicht erwischt, da sich der Pilker überschlagen hatte. Aber dennoch ein gigantisches Erlebnis.
Am 14. August schlug das Wetter um und wir konnten den ganzen Tag nicht raus. Einkaufen war angesagt, Gerätepflege, essen und viel schlafen. Versuche, vom Ufer aus zu angeln waren nicht von Erfolg gekrönt.
Aber am nächsten Tag passte es wieder. Aufstehen um 03:00 Uhr, 2 Stunden vor der Flut. Der Wind hatte sich gelegt, es war aber deutlich kälter.
Die Fänge wurden etwas weniger, dafür stimmten die Gewichte. Den Kracher des Urlaubs hat Wolfgang gefangen. Einen Dorsch mit 25kg. Ein langer und nervenaufreibender Drill an leichtem Gerät.
Am nächsten Tag gings wieder früh raus. Wir beobachteten einen Schwarm kleiner Köhler, die an der Oberfläche raubten. Darunter standen große Dorsche. Und das Ganze in der Dämmerung. Ein phantastisches Erlebnis. Wie überhaupt die Ruhe und die Natur, die wir genießen durften. Wir hatten den Fjord für uns allein, wie wir es uns gewünscht hatten.
Am vorletzten Angeltag wurde es wieder kälter und die Fänge gingen zurück.
Trotzdem haben wir gefangen, auch weil wir mal Richtung Lofoten gefahren sind. In westlicher Richtung bis zum Leuchtturm. Kalt, aber sonnig mit Blick auf die Inselkette der Lofoten. Ein Genuss.
Der Rückweg war für Karli zu lang, ihm ging kurz vor unserem Bootssteg der Sprit aus. Eine knifflige Situation, die aber dank Wolfgang K. gut ausgegangen ist. Am 17. August noch eine frühe Ausfahrt, einige Schellfische und Küchendorsche gefangen.
Dann verabschiedeten wir uns von „unserem“ Fjord. Es folgte das übliche: Gerätepflege, essen, packen, schlafen. Am nächsten Morgen um 04:30 Uhr aufstehen, Fische aus der Truhe nicht vergessen und Abfahrt nach Bodo. Auf dem Weg zum Flughafen begegneten wir gleich 3 Elchen, überstanden die Fahrt jedoch unfallfrei.
Die Flüge über Oslo nach Frankfurt verliefen problemlos. Und auch Wolfgang K. ist mit Karli wieder gut in Röbel angekommen. Unser Gepäck hat Roy, der Schwiegersohn von Wolfgang K., komplett in einen Transporter gepackt und nach Duisburg gefahren. So war es für uns nur eine kurze Strecke wieder an unser Gerät zu kommen. Wolfgang K. hat eine Fotodokumentation erstellt und einen Film gemacht. So wie Wolfgang, Herbert und Hans-Georg auch.
Krönender Abschluss dieses Norwegenurlaubs war ein gemeinsamer Filmabend, gleichzeitig auch der Startschuss für neue Planungen das Jahr 2012.
An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Wolfgang Kretzschmar!
Weitere Impressionen: