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Angelreise zum Lachsfischen nach Sibirien mit Wolfgang Kretzschmar

>> Ein Reisebericht von Peter Timm

Reise zum Lachsfischen zur Ekaterina – Lodge in Russisch Fernost vom 15. – 28.08.2007
Inspiriert durch liebe Fischerfreunde, die schon mehrmals im o.g. Camp waren, und bedingt durch die Gruppenzusammensetzung (die deutsch – sprachigen kannte ich zur Hälfte), entschloss ist mich, diese Reise zu buchen, um zu überprüfen, ob Lachsfischen der Superlative dort wirklich stattfinden wird.
Die Antwort auf diese Frage liefere ich später….

Zuerst einige Daten und Fakten:

  • Lange Anreise (ca. 15 Flugstunden) von Frankfurt a. Main – Ochotsk mit Unterbrechung in Moskau und Khabarovsk
  • Auf der Hinreise, Stadtführung in Moskau sehr gut organisiert durch einen für „seine“ Stadt begeisterungsfähigen Führer, der keine Frage unbeantwortet ließ. Mit viel Esprit schilderte der die Vorzüge und Besonderheiten von Moskau. Er führte uns an Stellen, wo der „normale“ Tourist nicht immer hinkommt. So auch zum zweiten Frühstück in einen „Schnellimbiss“, den ich mir nicht ausgewählt hätte. Es gab russische Köstlichkeiten zu vernünftigen Preisen, und jetzt kommt´s – es war alles sehr lecker. Dieser Insidertipp wird nur gegen entsprechendes Honorar verraten.
  • Auf der Rückreise, Übernachtung in Khabarovsk – gut organisiert. Abendbegleitung durch Nastia, die uns in ein russisches Restaurant der gehobenen Klasse zum Abendessen entführte. Gott sei Dank – wir hatten noch genug Rubel dabei.
  • Gute Unterstützung durch Nastia, einer Mitarbeiterin der Ekaterina – Lodge, in Khabarovsk auf der Hin- und Rückreise. Ohne Sie hätte ich die vielen Formalitäten sicher nicht so schnell bewältigt (Deklaration und Bezahlung des Übergepäcks, Sicherheitskontrollen etc.)
  • Wer sagt in Russisch Fernost wäre es kalt, war entweder im Sommer noch nie da, oder er hat gelogen. Wir hatten während unseres Aufenthalts ca. 25 – 30 Grad (im Schatten)
  • Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Lodge sehr hilfsbereit – sie lasen uns „fast“ jeden Wunsch von den Augen ab
  • Chef und Chefin besorgt um das Wohlbefinden der Gäste und mit ein wenig Geduld und ein paar Rückfragen zur Konkretisierung des Anliegens erhielt man auch von Chef Robert eine brauchbare und gut verwertbare Antwort. Will sagen, Nachfragen lohnt sich immer …
  • Sepp, ein Urgestein aus Bayern und Hermann aus Hessen, die beide schon zum Inventar der Lodge gehören, brachten uns immer wann wir wollten zu den von uns gewünschten Stellen im Fluss und gaben außerdem noch wertvolle Tipps zur Fischerei.

Und jetzt geht es erst richtig los:

Gerät
Ich hab ausschließlich mit der Fliege gefischt
Rute: Klasse 8 – 10 Einhand oder Zweihand
Schnüre: Je nach Wasserstand 200 – 300 Grain Sinktip
Vorfach: 0,40 – 0,45 (ich fischte anfangs mit 0,35 als Sollbruchstelle), was mir am ersten Abend bereits den Verlust von 5 Fliegen bescherte. Mit 0,40 ging es dann wesentlich besser.
Fliegen: Alles was glänzt und ein wenig pulsiert, Topfarben sind Pink und Rot mit Blau, gelegentlich auch grün (auch hier gilt, probieren geht über studieren)
Fische: Keta- und Silberlachs in Mengen, die ich bisher noch nicht gesehen, geschweige denn an der Angel hatte.

Ich war schon mehrfach zum Lachsangeln in Kanada.
Nach 3 Tagen hatte ich Ganz-Köper-Schmerzen, nicht vom Liegen im “relativ” harten Bett in meiner Hütte, sondern, Ihr habt richtig vermutet, vom Drillen der Fische. Mir entsprang spontan der Satz „Mein Gott, mein Arm“, das schmerzverzerrte Gesicht – siehe Foto. Angenehme Schmerzen sicherlich, jede Abwechslung in der Fischerei war aber zu dem Zeitpunkt meiner Reise nicht möglich – große Äschen und Saiblinge folgten bereits den Lachsen in die Oberläufe des Flusssystems des Kuchtui, um dort deren Laich zu fressen. Ich probierte es auf Äsche, hatte auch Erfolg. Nach mehreren Fischen unter 10 cm gab ich dann jedoch auf und widmete mich wieder den Lachsen.

Nach 5 Tagen hatte mein Körper auch akzeptiert, dass beim Lachsfischen in Russisch Fernost Schmerzen normal sind. Es waren so viele Lachse im Fluss, dass wir zu dritt von einer Kiesbank bestimmte Lachse versuchten aus der Gruppe herauszufischen, weil sie uns auffielen, a) besonders groß, b) besonders gefärbt, c) für den Grill geeignet, da wir nicht zum Mittagessen in die Loge zurück wollten, sondern unseren eigenen Fisch in Alufolie im Lagerfeuer, ganz nach Trappermanier, grillten. Auch dies war nach Absprache mit Chefin Irina oder Chef Robert möglich.

Zur Lodge selbst Einfache Hütten mit Zweierbelegung, Haupthaus zum Aufenthalt zum Frühstück, Mittag-, Abendessen oder Zwischendurch, Waschraum mit Sauna, genug Donnerbalken (natürlich mit Häuschen drum herum). Schönes Lagerleben, wenn die Gruppe stimmt. Wir hatten Glück, unsere Gruppe bestand aus 6 Deutschen und 8 Schweizer Fischern. Fast alle waren sangeslustig und mit dem entsprechendem Sitzfleisch um schöne Fischerstunden am Wasser in einen schönen Fischerabend in der Hütte enden zu lassen. Natürlich wurde auch in verträglichen Mengen getrunken. Wein, Bier, Sekt, Wodka, alles war gemäß der Vorbestellung zur Stelle. Die Träume der Einzelnen kann ich nicht schildern, bei mir war es so, dass die nächtlichen Drills nicht so schmerzten. Der erlebte Tag am Wasser floss in Gedanken immer in die Nachtstunden mit ein.

Fazit

Den Satz von einem Fischerfreund kann ich nur bestätigen:
Wenn du erst mal da bist, ist es sehr schön …
Die Antwort auf die Frage mit dem “Fischen auf Lachse der Superlative” könnt Ihr euch jetzt ja sicher selbst beantworten.

Den Kampf gegen Moskitos hab ich erfolgreich geführt mit „Nordic Summer“, den Kampf gegen die kleinen Biester „Kriebelmücken oder auf Schwedisch Knotz“ habe ich leider verloren – aber bin trotzdem am leben geblieben.

Kleiner Wehrmutstropfen am Ende.
Mein Fernglas “Leica 8×20” in Lederetui wurde mir vmtl. aus dem Bordgepäck entwendet.
Falls es doch in der Lodge oder auf einer der Sandbänke gefunden wurde, wäre ich um Rücksendung dankbar. Ich gehe ja davon aus, das etliche Fischerfreunde diesen Artikel lesen.

Meine Anschrift: Peter Timm, Berlinerstr. 38, 61348 Bad Homburg
Mit freundlichem Fischergruß
Peter Timm