

Als er sich während seines Mauritius-Urlaubes im November 2009 ein Big-Game-Boot charterte, wusste Angelgeräte-Händler Wolfgang Kretzschmar aus Röbel, worauf er sich einließ. Bei früheren Touren hatte er schon den einen oder anderen Marlin gedrillt und kannte deren Kampfkraft. Aber dass ihn ein Fisch bis an die Leistungsgrenze bringt, hätte er nicht für möglich gehalten.
Die ersten Tage, an denen es viel regnete, probierte er es ein bisschen mit Speed-Jigging. Bei Wassertiefen von bis zu 200 m, 350 m Schnur außenbords, Pilkern von 400 g und starker Winddrift war das aber eine echte Schinderei und brachte auch nicht die erhofften Erfolge. Erst, als der Regen nachließ, wurden 6 Schleppruten mit Marlin-Ködern klar gemacht. Ein Schwarm von Seevögeln zeigte, dass unter der Wasseroberfläche geraubt wurde.
Bei der ersten Fahrt durch den Schwarm gab es auch gleich einen Biss, aber der Haken fasste nicht. Beim zweiten Versuch kreischte die 90-lbs-Rolle erneut los, der Skipper gab wieder Vollgas – und diesmal fasste der Haken. Sofort schoss ein Dorado aus dem Wasser. Gegen das schwere Marlin-Gerät hatte er aber keine Chance und ließ sich einfach herankurbeln. Marlin-Bisse gab es an diesem Tag leider keine.
Ein paar Tage später ging`s erneut hinaus – diesmal bei optimalen Bedingungen, weil die Nächte zuvor stark bewölkt waren. Erfahrungsgemäß machen Marline in solchen Nächten wenig Beute und sind dann auch tagsüber besonders gierig. Alle Ruten wurden mit großen Marlin-Ködern bestückt. Und schon um 7 Uhr morgens kreischte eine der Rollen los – der Skipper gab150m Vollgas – Rute krumm – der Haken saß!
Dann ging alles ganz schnell: Wolfgang hatte sich im Kampfstuhl gerade die Rute ans Harness geschnallt, als der Marlin aus dem Wasser sprang, für einen kurzen Augenblick waagerecht in der Luft stand, mit dem Schwert schüttelte und dann wieder ins Wasser eintauchte. Dann schoss er in die Tiefe und riss gut 400m Schnur von der Rolle. Und so ging es über 2 Stunden lang – ein ständiges auf und ab, ein mörderischer Fight – Mann gegen Fisch. Immer wenn Wolfgang ein paar Meter Schnur gut gemacht hatte, riss der Marlin sie wieder von der Rolle. Schweißtreibende Schwerstarbeit – ein hammerharter Drill!
Erst nach zweieinhalb Stunden, als auch die Kräfte von Wolfgang langsam nachließen, ergab sich der Fisch und konnte über das Heck ins Boot gehievt werden.
Da die Waage kaputt war und es kein Bandmaß gab, konnten Gewicht und Länge leider nicht ermittelt werden.
Aber das war Wolfgang egal – er hatte den Fisch seines Lebens gefangen.